Ein leichtes Kribbeln in den Hoden

12 Mrz

Im siebten Teil unserer allseits beliebten Interviewreihe „Gespräche am Kamin“ plaudern wir mit Didor Ech, Autor des Buches „Ich hab nen Hoden in Berlin“, das mittlerweile als DAS Standardwerk der Hodenliteratur gilt. Wir versuchen mit diesem Interview den Stellenwert der Hodenliteratur wieder aufzuwerten. In den letzten Jahrzenten wurde sie nicht nur sträflich vernachlässigt, sondern auch immer mehr in die Ecke der Pornographie gedrängt. Damit muss jetzt Schluss sein. Es wird wieder eine goldene Ära der Hodenliteratur geben, so wie früher. Es ist eine Tatsache das im ersten überlieferten Text der Menschheit, dem Gilgamesch Epos, das Wort Hoden genau 574 mal vorkommt. Infolgedessen hat ein Hodenimperium über die gesamte damalige bekannte Welt geherrscht. So soll es wieder sein. Und Didor Ech wird wohl glorreich voranschreiten und den Hoden zum Sonntag verkünden.

BANANENBLATT: Haben Sie jetzt vor dem Interview auch so ein leichtes Kribbeln in den Hoden?
DIDOR ECH schüttelt den Kopf.
Nicht? Überhaupt nicht? Okay. – Ist Linz eigentlich ein hartes Pflaster für einen eingefleischten Hodenfan? Oder sind die da sehr liberal?
Also Fan ist ja die Abkürzung für Fanatiker, und ich bin weit weg von einem Fanatiker, von einem Hodenfanatiker zumal. Linz ein hartes Pflaster? (überlegt) Ich hab’s nicht ausprobiert, ich kann’s nicht sagen.
Achso, ich hab gedacht, Sie wohnen in Linz?
Jaja, eh. Ich hab’s nur noch nicht ausprobiert.
Hat Sie Ihre Mama wirklich zum Psychologen geschickt, als sie die ersten Hodengedichte bei Ihnen gefunden hat?
Das steht im Buch drinnen?
Das steht im Buch drinnen, was ich mich so erinnern kann.
Jaja, also das ist tatsächlich so gewesen. Ob’s jetzt wirklich mit dem Hoden… ja ich nehm’s schon an, das ist lustig… Ich hab mich jetzt natürlich auf das Gespräch vorbereitet, aber diese Passage hab ich nicht gelesen, aber die werd ich dann schon lesen. Aber ja, das stimmt schon, mit 17 glaub ich, da hab ich eine Stunde bei einer Psychologin verbracht, die aber nach dieser Stunde festgestellt hat, dass ich landläufig ein normaler Mensch bin.
Das glaub ich. Als alter Hodenliebhaber haben Sie menschlichen Kontakt wahrscheinlich zur Gänze eingestellt und unternehmen nur noch etwas mit Wanderhoden, stimmt das?
Nein, das stimmt gar nicht. Ich kann auch mit Wanderhoden gar nichts anfangen und bei der heutigen Heimreise beginne ich darüber nachzudenken, warum ich das damals verzapft habe. Das muss ja irgendeinen tiefenpsychologischen Grund haben, ich kann es wirklich nicht, noch nicht, beantworten.
Was für Ursachen hatte Ihrer Meinung nach evolutionär gesehen der Hodenabstieg, also die Verlagerung vom Körperinneren nach außen? War es wirklich der Schutz der Spermien vor zu hoher Temperatur, hatte es ästhetische Gründe oder war es doch etwas ganz anderes?
Muss ich leider enttäuschen, ich war gerade in Naturgeschichte damals in der Schule so schlecht und hab da meinen ersten und einzigen Fünfer gekriegt, also ich kann’s nicht sagen, ich weiß es nicht.
Ein Freund von mir hat seine Hoden im 1. Skrotumkrieg (Anm. der Redaktion: Krieg zwischen Leuten die wollen dass der Hoden wieder ins Körperinnere kommt und Anhängern des Status quo) verloren, danach hat er sich zwei Straußeneier als Ersatz einnähen lassen. Die Eier bewegen sich in letzter Zeit immer mehr, also er glaubt der Arzt hat ihn belogen und die Eier waren gar nicht leer und die werden wohl bald schlüpfen, so wie sich das anfühlt, sagt er. Kennen Sie vielleicht irgendeinen Hodenspezialisten, der gleichzeitig Tierarzt ist und der ihm beim Schlüpfen der Küken helfen kann?
Nein, kenn ich absolut nicht. Was ich aber feststelle, ist, dass ihre Fragen hervorragend sind im Vergleich zu meinen schwachen Antworten.
Stimmt es, dass Ihre Liebe zu Hoden so weit geht, dass Sie sich Ihren Penis entfernen ließen und sich stattdessen an dieser Stelle einen weiteren Hodensack annähen haben lassen?
Nein, das stimmt nicht, leiten Sie das aus dem Gedicht „Hoden in Berlin“ ab?
Nein, das erzählt man sich so auf der Straße, in der Hodenszene. In der Szene der Hodenliteratur wird auch gemunkelt, dass Sie gar keine Hoden haben – würden Sie so wie Frank Stronach seine Steuererklärung, Ihre Hoden offenlegen als Beweis? Aber bitte nicht hier und jetzt, wir sind nämlich keine Notare und könnten das sowieso nicht beglaubigen.
(Unverständlicher Kauderwelsch, weicht der Frage aus.)
Zum Schluss noch eine Frage: Haben Sie ein persönliches Lieblingswort für „Hoden“?
Nein, das Wort Hoden hat ja durchaus auch etwas leicht Poetisches.
Vielen Dank!
Ich danke Ihnen!

Interview: Thomas Salamon

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