X-Factor: Das Unfassbare

8 Dez

WEIHNACHTSWUNDER

ERZÄHLSTIMME: Es ist die Nacht vor Weihnachten. Der kleine Donald wird mit sehr starkem Husten mit Blutauswürfen von seiner Mutter in die Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses im Bible Belt gebracht.

ARZT (ernst): Ihr Sohn hat leider einen akuten Einriss in der Lunge. Er braucht jetzt unbedingt die Luftaufbesserungsmaschine A251, sonst wird er nicht mehr lange leben.

MRS. CHRISTA: Aber Herr Doktor, dieses Gerät kostet ein Vermögen. Sonst hätten wir es eh schon längst gekauft . Seit mein Mann im Irak gefallen ist, sind wir hoch verschuldet. Wir verwenden kein Toilettenpapier mehr, spülen die Toilette nicht und Licht haben wir schon seit Monaten keines eingeschaltet. Unsere Haustiere haben wir gegessen, weil wir uns kein Essen leisten können. Um uns warm zu halten, kuschle ich die ganze Zeit mit meinem Sohn. Das hat mir schon eine Klage wegen Sexueller Belästigung von Minderjährigen der Inzucht-Abteilung eingebracht. Und jetzt wird Donalds Lungenleiden immer schlimmer. Herr Doktor, ich weiß nicht mehr weiter.

MRS. CHRISTA hat Tränen in den Augen, während sie ihrem kleinen Donald über die Haare streichelt.

DONALD (unschuldig): Mami, glaubst du der Weihnachtsmann bringt mir morgen das Malbuch, das ich mir schon so lange wünsche?

MRS. CHRISTA (mit immer mehr Tränen in den Augen): Ich weiß nicht, mein Schatz, vielleicht. (Zum Arzt:) Oh sehen Sie, Herr Doktor, ich kann meinem Kind nicht mal das billige Malbuch kaufen, geschweige denn eine lebenserhaltende Maschine.

ARZT (leicht genervt): Naja, sehen Sie, es ist ja Weihnachten. Überall schöne bunte Lichter, glückliche Familien.

MRS. CHRISTA beginnt heftiger zu weinen.

ARZT: Hilfsbereitschaft, Kinder essen Kekse, basteln.

MRS. CHRISTA weint immer heftiger.

ARZT: Verliebte trinken Punsch und küssen sich unter zauberhaften Schneeflocken.

MRS. CHRISTA schluchzt, die Tränen fließen in Strömen.

ARZT: Also was ich damit sagen will, gute Frau, an diesem Feiertag passieren ständig unvorhergesehene Dinge. Vielleicht finden Sie Geld auf der Straße oder irgendwer legt etwas unter Ihren Weihnachtsbaum.

MRS. CHRISTA (ein bisschen weniger weinend): Wir haben ja nicht mal einen Weihnachtsbaum. Nur einen kleinen Tannenzweig mit einer leeren Glühbirne als Weihnachtsschmuckersatz.

ARZT: Aber darum geht’s doch gar nicht. Ich werde mit meiner Frau und meinen Kindern heute Abend noch unseren drei Meter hohen Weihnachtsbaum festlich schmücken…

MRS. CHRISTA weint wieder stärker.

… aber das was Sie haben ist doch auch ok. Sie haben beim letzten Mal erzählt, dass Sie sehr religiös sind.

MRS. CHRISTA nickt.

Sie gehen mehrmals täglich in die Kirche und beten dann zu Hause weiter den Rosenkranz. Außerdem haben Sie gesagt, dass Sie und Ihr Kind nur Weihwasser trinken. Also so fromme Menschen wird der liebe Gott bestimmt nicht enttäuschen. Ich würde vorschlagen, dass Sie mit Ihrem Sohn heute Abend in die Kirche gehen, und morgen in der Früh wird sicher alles gut und in bester Ordnung sein.

MRS. CHRISTA (hat sich etwas beruhigt): Sicher, Herr Doktor. Vermutlich haben Sie recht. Vielen Dank für alles.

ARZT: Kein Problem. Ich helfe gerne, außerdem ist ja Weihnachten.

Zusammen mit ihrem Sohn geht MRS. CHRISTA direkt in die Kirche. Donald hustet unentwegt. Nach der Messe schleichen die zwei zitternd durch die klirrende Kälte nach Hause. Dort angekommen, tasten sie sich im Dunkeln voran und lassen sich erschöpft in ihren mit Zeitungen ausgelegten Schlafbereich nieder. Kurz darauf fallen sie in einen langen, zufriedenen Schlaf und erwachen erst wieder am Weihnachtsmorgen.

DONALD (aufgeregt): Mami, Mami! Es ist Weihnachten! Komm, wir gehen zum Weihnachtsbaum!

MRS. CHRISTA (noch leicht verschlafen, wird von Donald an der Hand hinterhergezogen): Ich komm ja schon, mein Schatz.

Als die beiden in die Wohnung treten, trauen sie ihren Augen nicht. Ihr Weihnachtstannenzweig samt Glühbirne ist verschwunden. Um zu sehen, ob vielleicht ein Windzug den Weihnachtsbaum unter einen Schrank geweht hat, will MRS. CHRISTA das Licht einschalten. Jedoch ohne Erfolg. Ihr Elektrizitätsanbieter hat heute in der Früh endgültig den Strom wegen ausständigen Zahlungen abgedreht. Als Donald die Vorhänge ganz aufzieht, erkennen sie im Morgenlicht, dass mit Blut auf die Wand geschmiert steht: „Heute euer Weihnachtsbaum, morgen euer modernes Zeitungsbett!

MRS. CHRISTA beginnt bitterlich zu schluchzen und auch Donald beginnt zu weinen, als er sieht, dass nirgends sein Malbuch zu finden ist.

JONATHAN FRAKES: Was ist hier passiert? Wie können Sie sich das Ausbleiben eines Weihnachtswunders erklären? War die Familie doch nicht gläubig und fromm genug? Wurde sie von Gott bestraft ? Oder bestrafen wir Sie mit einer Lüge? Oder wird Mrs. Christa ihr Recht auf ein Weihnachtswunder einklagen, wie es in Amerika üblich ist? Ihr Jonathan Frakes.

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